DEU/Stasi/Wallraff

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Wallraff weist neue Stasl‑Vorwürfe zurück

Utl: Birthler‑Behörde entlastet den Schriftsteller =

Düsseldorf (AP) Der Schriftsteller Günter Wallraff setzt sich gegen neue Stasi-Vorwürfe zur Wehr. Die von der Tageszeitung »Die Welt« in ihrer Montagsausgabe  erhobenen Anschuldigungen seien «absoluter Unfug», sagte Wallraff am Montag gegenüber der AP. Die «Welt» hatte über eine neu aufgetauchte Karteikarte berichtet, auf der Wallraff als aktiver Mitarbeiter der Stasi‑Auslandsspionage registriert worden sei.

Ein Sprecher der Birthler‑Behörde in Berlin sagte am Montag, man habe nach wie vor keine Veranlassung zu glauben, dass Wallraff Mitarbeiter der Stasi gewesen sei. Die «Welt» hatte berichtet, auf einer Karteikarte mit der Nummer XV/485/68 seien Wallraffs  Klarname sowie sein Geburtsdatum und seine Registrierungsnummer  vermerkt. In der zentralen Stasi‑Datei (Sira) finde sich unter dieser Registrierungsnummer ein «inoffizieller  Mitarbeiter mit Arbeitsakte».

Nach Darstellung der «Welt« war Wallraff im April 1968 als aktiver Mitarbeiter angeworben worden. Zu seinen Aufgaben hätten Desinformationskampagnen in westlichen Medien gehört. Bis 1971 habe er unter dem Decknamen «IM Wagner» Unterlagen der Bundeswehr‑Offiziersschule Hamburg‑Wandsbek und Informationen über biologische und chemische Waffen in Westdeutschland an die DDR weitergegeben, schrieb die «Welt» unter Berufung auf die Stasi‑Unterlagen.

Gegenüber der AP bestritt Wallraff, jemals solche Informationen besessen zu haben. Auch habe es nie Anwerbe‑Versuche von Seiten der Stasi gegeben. Treffen mit DDR-Offiziellen hätten nur stattgefunden, als er im Rahmen einer Recherche zu NS-Kriegsverbrechen bei einem ostdeutschen Archiv angefragt hatte. Er habe aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er der DDR ablehnend gegenüberstand: «Ich haben denen gesagt, dass ich im Gefängnis oder im Irrenhaus sitzen würde, wenn ich in der DDR leben müsste.» Später habe die Stasi über ihn vermerkt, er hänge wirren anarchistischen Vorstellungen an und sei vom marxistisch‑leninistischen Standpunkt nicht zu überzeugen. Diesen Vermerk habe er schriftlich.

Dem Springer‑Verlag warf Wallraff eine «Rufmordkampagne» vor. Offenbar wolle man alte Rechnungen begleichen. «Bei denen bin ich als Feindbild gespeichert, das grenzt schon fast an Paranoia.» Ende## AP/pr,re/is

111236 aug 03